2003

Die Idee eines arbeitslos gewordenen 32-jährigen Münchners(1) führt zur Gründung eines Netzwerks für erwerbssuchende Akademiker. Aufgrund von Massenarbeitslosigkeit (4-5 Mio.) gibt es keine Angebote für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Alternative Wege über Kontakte und Beziehungen zu gehen, um so den Wiedereinstieg zu finden und auch persönlich nicht zu verzweifeln, so die Idee. Dazu wurde eine Website als Kontaktplattform ins Netz gestellt, die erstmals unter dem Namen „www.arbeitslose-akademiker-münchen.de“ online geht. Im April 2003 fand das erste Netzwerk-Treffen mit 12 Personen im Gemeindehaus St. Rupert statt. Schnell kamen viele zu der gemeinschaftlichen Initiative hinzu und engagierten sich. Es fanden wöchentliche Treffen und Arbeitskreise statt. Nachdem das Netzwerk in den ersten Monaten auf 60 Teilnehmer anwächst und der Initiator im August immer noch keine Arbeit hat, ermutigen ihn einige Teilnehmer zur Selbstständigkeit. In der Rechtsform des eingetragenen Kaufmanns entwickelte der Gründer mit einer jungen Frau aus dem Teilnehmerkreis(2) und Trainern staatlich geförderte Trainings für Akademiker bei *nea münchen. Sie richten das Netzwerk ab August mit kommerziellen Absichten in München ein: Anfangs mit einem Büro für wenige Monate in Neuhausen, dann im Münchner Technologiezentrum (MTZ) mit einem Team aus freiwilligen *nea-Teilnehmern. Es erfolgt eine Teilnahme an der Ausschreibung zur privaten Arbeitsvermittlung des Landesarbeitsamtes Bayern.
(1 Oliver Eggert. 2 Annette Reisch, sie arbeitete nach den ersten Treffs an dem Aufbau des Netzwerkes umfangreich mit wurde sozusagen Mitgründerin.)

2004

Die entwickelten Trainings werden von der Arbeitsagentur München bewilligt. Allerdings steht im April fest, dass die alleinige Finanzierung des Netzwerks dadurch nicht erfolgen kann. Der Netzwerkcharakter festigt sich. Eine neue Website mit Zusatzangeboten zum Netzwerken wird im Mai bereitgestellt. Neuer Versammlungsort wird das ökumenische Kirchenzentrum im Olympiadorf. Es gibt Ambitionen eine Ausdehnung nach Berlin, Hamburg, Leipzig - vorerst nur über das Internet – zu betreiben. Es kommt zu einem ersten Treffen mit den Berliner Teilnehmern. Die Hartz IV Reformen werden eingeführt und bei einer nea Veranstaltung zu den Arbeitsmarktreformen spricht ein SPD-Bundestagsabgeordneter vor 120 Besuchern. Im Juli gibt *nea seine Kaufmannseigenschaft auf, beendet die Maßnahmen mit der Arbeitsagentur München und beginnt sich als Non-Profit-Organisation mit sechs leitenden Personen, die *nea gemeinsam ehrenamtlich als soziale Einrichtung ohne kommerzielle Interessen betreiben, zu organisieren. Frau Prof. Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt /Oder, übernimmt die Schirmherrschaft für *nea. Schließlich scheitern im Sommer auch die letzten privaten Bemühungen des Gründers parallel zu *nea die Teilnehmer in Arbeit zu vermitteln.

2005

*nea wird mit Jahresanfang eine soziale Einrichtung als GbR mit sechs ehrenamtlichen Gesellschaftern ohne Gewinnerzielungsabsichten. Als Ziele sind verfasst: Ambitionierte erwerbs- oder orientierungssuchende Akademiker vernetzen und den gegenseitigen Austausch ermöglichen, möglichst viele unterschiedliche Teilnehmer vernetzen und fördern, brachliegendes Potenzial Hochqualifizierter durch den so entstandenen Kontakt- und Kompetenzpool in Produktivität überführen, nachhaltige Lösungen für die Problematik der Erwerbsarbeit sowie der Erwerbslosigkeit in Zusammenarbeit mit Organisationen der Wirtschaft entwickeln. Umzug in die Pariser Straße 8 in Haidhausen, in die Räume des vormaligen Arbeitslosentreffs Ost: Erstmals Büro und Versammlungsräume an einem gemeinsamen Ort. Die Initiative zählt ca. 80 Teilnehmer, wobei immer wieder neue hinzukommen und Bestehende gehen..

2006

Ein Schwung neuer Gesichter stößt auf die Initiative. Einige Teilnehmer und ehrenamtliche Gesellschafter beschließen gemeinsam, die GbR in einen gemeinnützigen Verein umzuwandeln. Mit den Erfahrungen der Mitglieder wird die *nea homepage auf den neuesten internettechnischen Stand gebracht. Die Vereinsgründung wird im Frühjahr 2006 notariell bestätigt.(3) Der Charakter von *nea e.V. als Selbsthilfenetzwerk durch Eigeninitiative in Berufsproblemen ist etabliert. Dabei bleiben Basisangebote bestehen.
Allerdings wird der Begriff "erwerbssuchend" von den Vereinsmitgliedern nun breiter gefasst. Die Zielgruppe wird auf Existenzgründer und auch auf Angehörige der "Generation Praktikum" ausgeweitet. *nea e.V. positioniert sich auf diesem Feld neu und befasst sich mit der Entwicklung von Basisangeboten für diese neuen Zielgruppen.
In einem Arbeitskreis werden die Teilnehmer inspiriert ihre Akquisekompetenzen zu entdecken. Bergwanderungen ermuntern dazu wieder Schritt für Schritt in „Bewegung zu kommen“. In den psychologisch thematisierten Gruppen wird neben Berufsorientierungsfragen nun auch das Tabu „Depression durch Arbeitslosigkeit“ angesprochen. Trotz all der beginnenden Vielfalt schafft es der Büroleiter gelassen, die organisatorischen Fäden im Büro zusammenzuführen.
(3 Gründungsmitglieder: Alexander Bohnenstengel, Oliver Eggert, Dr. Arndt Embacher, Marie-Louise Ernst, Konny Hoff, Christian Hossner, Dr. Gregor Mayer, Gabi Peters, Robert Philipp, Annette Reisch, Melitta Sauer)

2007

Die Mitgliederzahlen steigen weiter an. Der Arbeitskreis "Bewerbungsmarathon" nimmt seine Arbeit auf. Auch Planungen, die Zielgruppe "Existenzgründer" stärker anzusprechen, konkretisieren sich.
Und nach langen Verhandlungen eines Vorstandsmitglieds mit der Agentur für Arbeit in München gehen Flyer von *nea e.V. an Arbeitsvermittler, die die Arbeitssuchenden auf *nea e.V. aufmerksam machen sollen.
*nea startet für alle Arbeitslosen die Initiative "WirFürUns", welche ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt München werden sollte.

2008

Allmählich werden Kooperationen mit anderen Institutionen ausgedehnt. Um sich gesundheitspolitisch zu vernetzen nimmt *nea e.V. am Deutschen Netzwerk für berufliche Gesundheitsförderung teil und wird Gründungsmitglied im Bündnis gegen Depression.(4)
Auch wirtschaftspolitsch werden die Kontakte intensiviert: Der wirtschaftspolitische Sprecher der bayerischen Grünen, Eike Hallitzky, besucht *nea und informiert sich. Ferner nimmt *nea e.V. an der jährlichen Münchner Beschäftigungskonferenz im Rathaus teil. überdies ist ein Vorstandsmitglied Podiumsgast (5) bei einer Tagung der Bundesgrünen in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin zum Thema prekäre Beschäftigung. Forderungen an die Politik werden erstmals formuliert: Weiterführung und Ausweitung der Arbeitslosenversicherung für Selbständige, bessere Weiterbildungsmöglichkeiten für diese und Regelungen für verbindliche Reporting-Standards für mittlere und große Unternehmen in Jahresabschlüssen in Form eines Personalberichts. Nicht zu vergessen ist, dass *nea sich an der Münchner Lobby für Erwerbslose (Müle) beteiligt und an den regelmäßigen Treffen teilnimmt.(6)
Zusammen mit verschiedenen Vertretern aus Wirtschaft und Sozialinstitutionen wird die Idee einer Internetakademie für prekär beschäftigte Hochqualifizierte erarbeitet und geht als Antrag an die EU und das BMBF. Der Verein entwickelt ebenso ein ausführliches Konzept "Factoring für Gründer" und bringt es z.B. in das Bayerische Wirtschaftsministerium ein. Das Kompaktseminar „Durchstarten zum Traumjob“ wird ein zweites Mal in Anlehnung an das gleichnamige Buch durchgeführt. Die gegenseitige Sozialberatung wird zu einem konkreten integralen Bestandteil von *nea e.V. ausgebaut.
Mittlerweile ist die Renovierung der Räume nötig geworden. Durch diese wird ermöglicht, dass ein kleiner Raum für vertrauliche Besprechungen und Computerarbeit den Netzwerkteilnehmern zur Verfügung steht.
(4 vertreten durch Melitta Sauer, Vorstandsmitglied. 5 Dr. Gregor Mayer, Vorstandsmitglied. 6 vertreten durch Konny Hoff)

2009

Der Teilnehmerkreis verlagert sich immer mehr von den klassisch Erwerbssuchenden zu den prekär Beschäftigten (Zeit- und Projektverträge). 120 Teilnehmer sind es inzwischen durchschnittlich. Es gehen viele Anfragen von Presse, Rundfunk und Fernsehen ein. Die mit Sapient vorbereitete Plakataktion kann nun mit der Unterstützung von Stroer Deutsche Städte Medien dankbarer Weise in großem Umfang realisiert werden. *nea nimmt auch am Selbsthilfetag, an der 1.Münchner Woche für seelische Gesundheit und dem Corso Leopold in München teil. Des weiteren wird *nea von der FH in Pasing für ein Seminar in der Fakultät für Sozialwissenschaften angefragt. Das Tabu der Prekarisierung von Hochqualifizierten und der Umgang mit der entsprechenden Gefahr des Würdeverlustes steht im Vordergrund. Die ein paar Wochen zuvor präzisierte *nea Philosophie kann dort zum ersten mal öffentlich vorgestellt werden. Ein Arbeitskreis zum Thema Humankapital entsteht. Für die Büroleitung kann der Verein nun eine Stelle einrichten. Ferner wird die regelmäßige Rentenberatung durch Versichertenberater der Deutschen Rente Bayern Süd ermöglicht. Die schon zur Tradition gewordenen *nea Weihnachtsfeier findet diesmal auch mit ehemaligen Teilnehmern statt, die sich wieder in Erwerbsarbeit befinden.

2010

Es werden viele Veranstaltungen im Lauf des Jahres, teils auch durch externe Ehrenamtliche, durchgeführt: Eine Buchvorstellung zum Thema „Ethik im Vertrieb“, Workshops zum „Elevatorpitch“ und „Strategischem Ideenmanagement nach dem Edison-Prinzip“.(7) Es kann ein Kurs mit elf Modulen „Vertriebsmotivation und Vertriebsstrategien“ starten.
Aus den Netzwerkteilnehmern heraus ruft eine Gruppe von Frauen einen immer beliebter werdenden wöchentlichen Mittagstisch für die Teilnehmer ins Leben. Zudem finden 14-tägig Netzwerktreffen in den Vereinsräumen statt.
Die Öffentlichkeitsarbeit beginnt in diesem Jahr für *nea im Münchner Rathaus: Mit einem Infostand und einem Publikumsdiskussionsbeitrag beteiligt sich *nea an einer Veranstaltung der Reihe: München gegen Armut.
Auch mit Spitzen der Stadt München selbst kommen wir ins Gespräch: Es gibt ein Bürgergespräch für unsere Netzwerkteilnehmer mit der zukünftigen Sozialreferentin Brigitte Meyer. Konny Hoff, der die Büroarbeit weiterhin gestaltet, organisiert ein Treffen mit Herrn Becking, dem Leiter der Agentur für Arbeit.
Im Frühling sind wir mit einem Stand auf dem ökumenischen Kirchentag vertreten.
Im Oktober präsentiert sich *nea e.V. auf der 2. Münchner Woche für Seelische Gesundheit. Dank dem hohen Engagement von Melitta Sauer und anderer Netzwerkteilnehmer können dort mehrere Veranstaltungen durchgeführt werden: Ein Vortrag zum Thema „Stress am Arbeitsplatz durch unsichere Beschäftigung – Stress durch Arbeitslosigkeit??!“ In der evangelischen Stadtakademie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Erwerbsunsicherheit und Arbeitslosigkeit bei Akademikern? Ein Tabu und seine Folgen“. Dabei durfte der Moderator, ein Vereinsmitglied, auf dem Podium fünf verschiedene Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik zum Einvernehmen moderieren. Als Ehrengast freute sich *nea den Arbeitslosenseelsorger Mike Gallen zu begrüßen. Denn seit Mike Gallen die Gründung von *nea in den Räumen von St. Ruppert ermöglichte, konnte *nea immer wieder auf die praktische und organisatorische Unterstützung von ihm bauen. Eine Karriereberaterin und Übersetzerin des Buches „Durchstarten zum Traumjob“ (R. Bolles, 1999), erläutert in einem Vortrag die Grundsatzfehler bei der Stellensuche. Auf dem Gesundheitstag der Caritas in Freising erörtert ein Vorstandsmitglied als Podiumsreferentin(8) wie *nea e.V. hilft den Stress bei Arbeitslosigkeit zu mildern. Und zu Jahresende ein Highlight, es besucht uns der Generalsekretär der FDP, Christian Lindner, aus eigenem Interesse. Überhaupt war 2010 ein Jahr der Medien bei *nea: Im Frühjahr nimmt die ARD mit Report München ein Interview zur Problematik der Zeitarbeit auf. Im Sommer sendet das ZDF heute Journal *nea´s Meinung zu aktuellen Gesetzesänderungen auf dem Weiterbildungssektor. Und es erscheinen einige Artikel in der Süddeutschen Zeitung, die uns in den Mittelpunkt stellen oder uns nennen.
(7 Alexander Bohenstengel, 8 Melitta Sauer)

2011

Die Stelle „Bürgerschaftliches Engagement“ im Sozialreferat genehmigt einen Förderantrag. *nea plant noch stärker bekannt und in der Öffentlichkeitsarbeit weiter aktiv zu sein. Der Verein mit rund 10 Mitgliedern und 140 Netzwerkteilnehmern soll größer werden.
So kann Hep Monatzeder, 3. Bürgermeister von München, als lokaler *nea Schirmherr gewonnen werden.(9) Daraufhin werden strukturelle Veränderungen bei *nea diskutiert, um die Mitgliederzahl zu erweitern und für die lange Trennung zwischen Netzwerk-Teilnehmern und Vereinsmitgliedern eine Brücke zu schaffen. Die Vereinssatzung wird geändert, um Strukturen und den Kreis aus ehrenamtlichen Engagierten, die die Arbeit im Verein leisten, zu festigen.
Die Aufgaben der Vorstandsmitglieder werden konkreter definiert. Im Rahmen der Angebote durch *nea Externe wird sehr erfolgreich der Kurs „Projektmanagement“ und "soziale Kompetenz im Projekt" von einer erfahrenen, sonst selbstständig tätigen Spezialistin ehrenamtlich durchgeführt. Zwei Expertinnen für die Karriere- / Bewerbungsberatung von Fach- und Führungskräften ergänzen das Angebot.
Ein *nea Vertreter wird Mitglied im Bezirksausschuss Oberbbayern des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
(9 durch das Engagement von Oliver Eggert und Annette Reisch, neues Vorstandsmitglied)